Bei Winzer Stefan Schmid wachsen auch Himbeerstauden in den Weingärten – Naschen ist ausdrücklich erlaubt! © Johannes Kernmayer
Bei Winzer Stefan Schmid wachsen auch Himbeerstauden in den Weingärten – Naschen ist ausdrücklich erlaubt! © Johannes Kernmayer

Im Wohnzimmer des Grünen Veltliners

Was macht die Himbeere im Weingarten? Zwischen den Rebstöcken von Stefan Schmid sprießen auch Salat und Ringelblumen. Denn der Winzer will mit diesen Begleitern die Gesundheit der Weinreben fördern.


Biodiversität für den guten Geschmack: Das Weingut Schmid Pillichsdorf im Weinviertel präsentiert sich an dem strahlenden Sommertag von seiner schönsten Seite. Es geht vom Hof zu den Gemüsebeeten, dann zum biodiversen Weingarten und zum Keller. Hier werden die kostbaren Erzeugnisse des Weingartens – verschiedene Rot-, Weiß- und Rosé-Weine in der Bouteille, darunter auch der berühmte Grüne Veltliner, wohl die typischste Rebsorte Österreichs – gelagert und gereift. Während Bauer und Winzer Stefan Schmid durch sein Reich führt, lernt man viel über die Kreisläufe in der Natur, die Bedürfnisse des Bodens, das Zusammenspiel von Pflanzen.

Hohe Ansprüche an den Wein

Doch was macht das Weingut von Stefan Schmid – das einzigartig im deutschsprachigen Raum ist – so besonders? Nicht nur passionierte Weinliebhaber und profunde Sammler wissen, dass die Qualität der Traube von vielen Faktoren beeinflusst wird. Abgesehen von Witterung, Traubensorte, Lagerung und Fachwissen des Winzers spielt die Beschaffenheit des Bodens eine große, tragende Rolle bei der Produktion von Spitzenweinen. An Fachwissen mangelt es Stefan Schmid ganz gewiss nicht. Seine Intention jedoch geht über den Anbau und die Herstellung von Top-Produkten hinaus, hin zu bestmöglicher Zusammenarbeit von Mensch und Natur – „Biodiversität“ nennt sich die oberste Direktive dieses Weinviertler Hofes.

Artenvielfalt im Wein-Garten

Biodiversität heißt „biologische Artenvielfalt“ und ist das absolute Gegenteil von Monokultur. „Wir haben verlernt, auf die Kräfte der Natur zu vertrauen. Es ist sehr viel einfacher, regelmäßig mit Pflanzenschutzmitteln zu arbeiten und fehlende Nährstoffe einfach auf den Boden zu streuen. Das System Boden gibt bis heute der Wissenschaft Rätsel auf. Ich bin bereit, mich auf die Zusammenarbeit mit der Natur einzulassen und von ihr zu lernen“ so der engagierte Weinbauer. In der Praxis bedeutet Biodiversität: Die Sorten werden gemischt und dürfen rotieren. „Das ist im Gemüseanbau bekannt. Beim Weinanbau ist Österreich da ziemlich am Anfang“ führt Stefan Schmid weiter aus. Weshalb er auch in intensivem Austausch mit einem Schweizer Institut steht – und entsprechend viel experimentiert.

Vielfalt stärkt die Wein-Reben

So werden etwa Himbeerstauden an die Zeilenenden der verschiedenen Traubensorten gepflanzt, fehlende Pflanzen ergänzt Stefan Schmid mit Obstbäumen. „Das Naschen ist Spaziergängern ausdrücklich erlaubt“ so der Weinbauer, der seinen Weingarten „Wohnzimmer des Grünen Veltliners“ nennt.

Pilzhemmender Knoblauch und Thymian finden sich im Weingarten ebenso wie Weißklee und Ringelblumen. Dadurch wird eine Aufwertung des Bodens erreicht, die wiederum der Traube zugutekommt und die Pflanzen gesund und robust hält. Mit Ringelblumen als Fitmacher für den Boden hat Stefan Schmid im Gemüsegarten beste Erfahrungswerte. Er setzt Samenmischungen aus bis zu 50 Pflanzenarten, die zwei Mal pro Jahr angebaut werden. Inwieweit Knoblauch und Thymian die Weinstöcke gänzlich vor Pilzbefall zu schützen vermögen, ist noch in der Experimentierphase – doch auch diesbezüglich kann der Winzer bereits von ersten Erfolgen berichten. Dennoch sind auch Rückschläge zu verzeichnen, etwa wenn Schädlinge die Oberhand gewinnen oder die Weinstöcke schwächeln. Dennoch, die Richtung, so ist Stefan Schmid überzeugt, stimmt. Eines Tages wird sich der Gedanke der Biodiversität durchsetzen.

Weingut Stefan Schmid

Stefan Schmid produziert nicht nur Spitzenweine vom Grünen Veltliner bis zum Shiraz Gräfin Pilehilt, für seine Pionierarbeit wurde er mit dem österreichischen Weinbauförderpreis ausgezeichnet. Die große Nachfrage nach den Pillichsdorfer Weinen übersteigt bereits die Kapazitäten des Betriebs. Weingut Stefan Schmid Hauptstraße 17, 2211 Pillichsdorf, Tel. 02245/25 09