Die richtige Zahnpflege, so sind Wissenschafter heute überzeugt, bewahrt nicht nur vor Zahnausfall, sondern auch Herzinfarkt.
Die richtige Zahnpflege, so sind Wissenschafter heute überzeugt, bewahrt nicht nur vor Zahnausfall, sondern auch Herzinfarkt. (© shutterstock)

Zahnpflege: Gesund beginnt im Mund

Bitte lächeln! Wenn Sie Ihre Zähne richtig pflegen, tun Sie auch etwas für Ihr Herz und unterstützen außerdem Ihr Immunsystem.


Gesund beginnt im Mund. Das behauptete der Wiener Zahnarzt Dr. Walter Wadsak Jahre bevor daraus ein allgemeiner Slogan wurde. Ob Karies, Parodontitis oder Mundgeruch: Die Ursache dafür sind unerwünschte Bakterien in der Mundflora. „Bei mangelnder Zahnhygiene vermehren sich schädliche Bakterien, die zu Parodontitis führen können. Gelangen diese Keime über den Blutweg zu anderen Organen, wie zum Herzen, so können sie dort Entzündungsvorgänge auslösen“, erklärt der Zahnmediziner. Die richtige Zahnpflege, so sind Wissenschafter heute überzeugt, bewahrt nicht nur vor Zahnausfall, sondern auch Herzinfarkt.

Seit Generationen gilt Karies als Zahnfeind Nummer Eins. Die Tatsache, dass die Gesundheit des Zahnfleisches für den Erhalt des Gebisses mindestens ebenso wichtig ist, wird leider nach wie vor unterschätzt. Aber: Jenseits des 35. Lebensjahrs gehen durch Erkrankung des Zahnhalteapparats mehr Zähne verloren als durch Karies.

Das geheimnisvolle Parodont

Ein wenig beweglich müssen Zähne sein. Denn wären sie starr mit dem Kieferknochen verwachsen, so könnten sie bei starkem Druck oder Stoß nicht abfedern und würden brechen. Doch wenn ihre Aufhängung im Kiefer durch Zurückweichen und Entzündung des Zahnfleischs allmählich instabil wird, können Zähne auch zu beweglich werden: Sie lockern sich allmählich – und können auch ausfallen.  Dieses überaus ausgeklügelte Verankerungssystem des Zahnes wird auch als „Parodont“ bezeichnet und besteht aus Zahnfleisch (Gingiva), zahntragendem Teil des Kieferknochens, Verankerungsfasern zwischen Knochen und Zahn und Wurzelzement. Kommt es aus der Balance, ist es mit dem schönen Lächeln früher oder später vorbei. Parodontose  sollte ursprünglich eine Bezeichnung für alle Erkrankungen des Parodonts, also des Zahnhalteapparats, sein. Erst später wurde der Begriff Parodontitis für die bakterielle Entzündung des Parodonts eingeführt. Eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleischs (Gingiva), wird auch als Gingivitis bezeichnet. Drei von vier Menschen leiden irgendwann an einer Zahnfleischentzündung, die unbehandelt in eine Parodontitis übergehen und zu Zahnverlust führen kann.

Balance im Mund

Die Mundflora besteht aus einer Vielfalt von Bakterien, wobei – ebenso wie im Darm – die „guten“ Keime die „bösen“ in Schach halten sollen. Wenn sich aber die schädlichen Bakterien vermehren, können sie das Zahnfleisch reizen und zur Entzündung führen. Ein Nährboden für Keime ist Zahnbelag: Die Bakterien siedeln sich nach und nach an der Wurzeloberfläche an und machen es sich hier gemütlich. Folge: Das Zahnfleisch entzündet sich und weicht zurück. Der Zahn wird länger. Werden die Keime nicht entfernt, dringen sie tiefer vor.

Es bildet sich eine Zahntasche, die den Bakterien einen idealen Lebensraum bietet. Sie bauen den Knochen ab, bis der Zahn ausfällt. Ein DNS-Test kann klären, welche Bakterien der Mundflora eine chronische Parodontitis verursachen. Auch mittels Bioresonanz lassen sich die schädlichen Keime genau eruieren.

Wenn schädliche Keime auf Wanderschaft gehen

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Entzündungen von Zahnfleisch und Zahnbett das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Die Bakterien können über den Blutweg zu anderen Organen transportiert werden. Parodontale Erkrankungen entwickeln sich oft unbemerkt und schleichend. Denn die Entzündung des Zahnfleischs tut anfangs nicht weh und wird daher oft verharmlost. Erstes Anzeichen ist gerötetes und Zahnfleisch. Dazu kommt häufig Mundgeruch oder schlechter Geschmack im Mund. Werden die Ursachen, wie Zahnbelag und Keime relativ rasch zurück; unbehandelt geht sie häufig in eine chronische Parodontitis über.

Deshalb sollte man diese Warnzeichen ernst nehmen:

  • Das Zahnfleisch ist dunkelrot statt blassrosa und eventuell leicht geschwollen.
  • Beim Zähneputzen oder dem Biss in einen Apfel beginnt das Zahnfleisch zu bluten.
  • Das Zahnfleisch zieht sich zurück, und die Zahnhälse reagieren empfindlich

Bei diesen Symptomen ist ein Termin beim Zahnarzt fällig. Er kann den Zustand des Parodonts beurteilen und die richtige Therapie einleiten. „Die weitere Ausbreitung der Keime muss auf alle Fälle verhindert werden“, erklärt Parodontologie-Spezialist Wadsak.
Wie jede chronische Entzündung im Körper schwächt auch die Parodontitis das Immunsystem. Wenn sich die körperliche Abwehr unentwegt mit schädlichen Bakterien im Mund herumschlagen muss, haben andere Erreger leichtes Spiel. Gerade in Zeiten erhöhter Ansteckung durch Viren sollte man daher auf seine Mundgesundheit achten.

Die richtige Zahnpflege

Damit es nicht so weit kommt, sollte man bei der täglichen Mundpflege einen Zahn zulegen: Gefährlicher Belag, die so genannte Plaque, muss täglich und gründlich von allen Zähnen entfernt werden.

Putzen Sie Ihre Zähne morgens und abends, um Zahnbelag zu entfernen. Wenn Sie säurehaltige Lebensmittel wie Obst, Säfte oder Limonaden zu sich nehmen: besser 15 bis 20 Minuten mit dem Putzen warten. Säuren entkalken die Zahnoberfläche, die Schutzschicht der Zähne ist kurzzeitig weicher und kann durch Zähnebürsten angegriffen werden.
Benutzen Sie täglich Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten, am besten abends. Nur so können die Zähne rundum von Plaque befreit werden.
Elektrische Zahnbürsten reinigen meist effektiver als Handzahnbürsten, halten durch bestimmte Programme die empfohlene Putzzeit ein und warnen vor zu starkem Druck. Speisereste können mit Mundduschen entfernt werden. Ein antibakterielles Gel oder Mundwasser kann bei aufflammender Entzündung hilfreich sein.
Was die Mundgesundheit noch unterstützen kann: Gurgeln mit Teebaumöl sowie pflanzlichen oder homöopathischem Mundwasser und ayurvedisches Ölziehen.

Interview mit Dr. Walter Wadsak

My Soulution: Wie ernst muss man eine Zahnfleischentzündung nehmen?
Dr. Wadsak: Eine chronische Entzündung des Zahnfleisches kann unbehandelt zu einer Parodontitis werden, die zu Knochenabbau und im schlimmsten Fall zu Zahnverlust führt. Ab dem 35. Lebensjahr gehen durch parodontale Erkrankungen mehr Zähne verloren als durch Karies. 

My Soulution: Was ist die Ursache?
Dr. Wadsak: Die Ursache für Parodontitis sind immer Bakterien. Mangelnde Mundhygiene, ein schwaches Immun- system, Stress und Rauchen fördern die Erkrankung.

My Soulution: Was kann man dagegen tun?
Dr. Wadsak: Die beste Vorbeugung ist richtiges Zähneputzen. Außerdem sollten Zahnbelag und Zahnstein regelmäßig bei der professionellen Mundhygiene entfernt werden. Das ist besonders wichtig, wenn man ein erhöhtes Risiko für Parodontitis hat.

My Soulution: Wie sieht die Behandlung bei Parodonditis aus?
Dr. Wadsak: Zuerst werden die harten und weichen Auflagerungen an den Wurzeloberflächen mit Ultraschall entfernt. Je nach Grad der Entzündung kommen lokal desinfizierende Lösungen, antibiotische Salbenoder Ozon zum Einsatz. Je tiefer die Zahnfleischtaschen, desto aggressiver die Bakterien. In schweren Fällen muss man operieren und das infektiöse Gewebe entfernen. Auch nach erfolgreicher Behandlung muss man regelmäßig zur Kontrolle.

Dr. Walter Wadsak
Dr. Walter Wadsak
ist Facharzt für Zahnheilkunde mit Praxis in Wien und anerkannter Spezialist für Paradontologie.

Rotenturmstraße 19 /41, 1010 Wien, Telefon: 01/532 81 81