Bestseller-Autor Palacios rät: Statt sich von der Angst lähmen zu lassen, sie lieber Energiequelle zu nutzen – und sich dadurch weiterzuentwickeln.
Bestseller-Autor Palacios rät: Statt sich von der Angst lähmen zu lassen, sie lieber Energiequelle zu nutzen – und sich dadurch weiterzuentwickeln. (© shutterstock)

Leben ohne Angst

Krisenzeiten zeigen, dass wir uns schnell in Angstzuständen verlieren können. Der bekannte Schweizer Hypnosetherapeut Gabriel Palacios weiß, wie man verhindert, sich von Ängsten beherrschen und steuern zu lassen.


Angst ist ein angeborener Schutzmechnismus des Menschen, und sicherte schon in der Urzeit das Überleben der Spezies. Damals ging es um die Angst vor wilden Tieren und die Angst keine Nahrung zu finden. Angst fungierte als Schutzfunktion und Mahner zur Vorsicht. Auch heute ist Angst ein Thema, wenngleich mit anderen Inhalten. Jeder kennt das Gefühl, wenn einem die Angst die Luft abschnürt und man meint, ein schweres Gewicht liege auf der Brust, und ein dicker Kloß steckt im Magen. Viele kennen durchwachte Nächte aus Angst vor Krankheit, Angst verlassen zu werden, oder Angst den Job und die Existenz zu verlieren. Besonders letztere hat in Coronazeiten deutlich zugenommen. Aber die Angst von heute ist kein zuverlässiger Betreuer mehr als Mahner zur Vorsicht. Sie flackert zu vielfältig auf, oder setzt in Situationen ein, die eigentlich gar keinen Anlass zu Angst geben müssten. Immer öfter werden die Angstgefühle bei vielen Menschen so überwältigend, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Dann wird die Angst zum Problem, führt vielleicht gar zu Panikattacken, und zur Angst vor der Angst.

Angst blockiert das Denken

Das ist eine Blockade, die es zu lösen gilt. Denn wer Angst hat, kann nicht vernünftig denken. „Der Mensch kann nicht vernünftig und ängstlich zugleich sein, hier gibt es nur ein Entweder-Oder“, sagt der Präsident des Verbandes Schweizer Hypnosetherapeuten Gabriel Palacios, „je mehr Angst wir haben, desto unvernünftiger werden wir, und je vernünftiger wir handeln, umso weniger Angst haben wir.“ Angst ist für Palacios eine „Überreizung des Gehirns“. Man könne selbst entscheiden, ob man sich von der Angst lenken lässt oder, indem man lernt vernunftvoll vorzugehen. „Gib deiner Angst keine Macht!” lautet der Titel von Palacios jüngstem Bestseller, darin stellt er Ratschläge und Übungen vor, wie man seine Ängste los wird. „Das kann man trainieren”, versichert Palacios, der als Siebenjähriger seinen Vater verlor und danach jahrelang panische Angst hatte, dass auch die Mutter sterben könnte. Ziel muss es sein, so der Hypnosetherapeut, sich von der Angst nicht kontrollieren zu lassen, und eine gewisse Gelassenheit zu erwerben. Wie macht man das?

Das Unterbewusstsein positiv ausrichten

Gabriel Palacios rät, den Geist regelmäßig auf Positives auszurichten. Das gelingt ganz einfach, wenn man sich möglichst oft an schöne Momente aus der Vergangenheit erinnert ­– ein schönes Fest, ein toller Erfolg, ein Moment, in dem man sich unbesiegbar fühlte, ein bestimmter betörender Geruch.

Dazu verordnet der Experte hypnotische Übungen, um das Unterbewusstsein positiv zu programmieren: „Setze oder leg dich hin und schließe die Augen, nimm einen tiefen, ganz tiefen Atemzug, atme aus und fühle, wie sich die Entspannung in deinem Körper ausbreitet. Schau Dir an, welche schönen Momente aus deiner Vergangenheit dir dein Geist zeigt. Greif diesen Moment auf und drücke Daumen und Zeigefinger deiner starken Hand zusammen. So entsteht ein Kreis, der durch Daumen und Zeigefinger geschlossen wird, und damit eine Art Schalter. Lässt Du Daumen und Zeigefinger wieder los, spürst du, wie diese wunderbare Energie durch deinen gesamten Körper strömt. Mit dieser einfachen Übung kannst du immer wieder – per Schalterdruck – deinen inneren Halt, deine Ruhe und Stärke aktivieren, und du prägst dein Unterbewusstsein positiv.“

Angst vor dem Verlassenwerden

Die Angst, verlassen zu werden und Verbundenheit zu verlieren, ist eine Angst, die viele Menschen darin hemmt, eine engere Verbindung überhaupt erst einzugehen, und das, obwohl sie eine tiefe Anziehung zu einem anderen Menschen verspüren. Diese Angst sorgt etwa für das Gefühl, nicht hübsch genug, nicht intelligent genug, beruflich nicht erfolgreich genug zu sein. So suggerieren sich viele Menschen eine besonders negative Eigenschaft so lange, bis sie selbst glauben, dass sie diese besitzen. Eine klassische „self fulfilling prophecy”. Solchen negativen Suggestionen sollte kein Raum gegeben werden, warnt Gabriel Palacios und rät: „Glaube an die Wirkung positiver Suggestion”. Das heißt, „Gib Menschen, die dir schaden wollen keinen Raum und widme deine Zeit und Energie jenen, die dein Leben bereichern und dir das Gefühl geben, wertvoll zu sein und die deine Stärken hervorkehren und schätzen”.

Die Wirkung der Selbsthypnose

Als Betreiber eines eigenen Therapiezentrums im schweizerischen Bern ist Gabriel Palacios ein begehrter Hypnotiseur für viele psychische Probleme, zu denen auch Angststörungen, oder ein geringes Selbstwertgefühl gehören. Es brauche aber nicht immer einen eigenen Hypnotiseur, sagt der Experte. „Fällt uns zum Beispiel auf, dass immer wiederkehrende Sorgen und Ängste unseren Geist unnötig beanspruchen, so ist der Gedanke an eine mögliche Selbsthypnose sinnvoll, denn mittels Hypnose haben wir Zugang zu allen unterbewussten Inhalten. Selbsthypnose könne auch ohne Hypnotiseur funktionieren – allerdings natürlich unter bestimmten Vorgaben. Der Wille muss vorhanden sein. Man muss daran glauben, denn wer nicht glaubt, hindert sich daran, sich in einen entsprechend tiefen Zustand der Trance fallen zu lassen. Stelle dir nicht während des gesamten Prozesses dauernd die Frage, ob du nun wohl in Trance bist. Lass es einfach geschehen“, rät Palacios.

  • Die Vorbereitung Niemals Drogen oder Alkohol einnehmen! Setze oder lege dich in eine stabile Position, im Idealfall legst du dich während der Autosuggestion hin, die Beine etwas auseinanderstellen. Das Kinn soll auf der Brust ruhen, den Kopf niemals nach hinten fallen lassen. Auf diese Weise kann man die Nackenmuskulatur entspannen. Störende Faktoren wie offenes Fenster oder Musik ausschalten.
  • Die Durchführung Versuche, dir vor Augen zu halten, was du durch die Selbsthypnose erreichen möchtest. Schreibe dies auf ein Stück Papier, aber versuche dich kurz zu fassen. Wichtig ist, dass dir dein Ziel glaubwürdig und erreichbar scheint. Formuliere keine Ziele die Negationen wie „nicht”, oder „nie mehr” beinhalten. Wer sich ein starkes Selbstbewusstsein wünscht, kann sich beispielsweise suggerieren und schreiben: „Ich bin selbstsicher und selbstbewusst.”

Inhalt in der Selbsthypnose sollte immer nur ein einziges Problem sein. Messe jeweils die Zeit, die du für den Vorgang gebraucht hast und versuche bei weiteren immer schneller und schneller zu werden und immer weniger dabei zu denken. Es sollte ablaufen wie ein Film, bis man einmal nur noch die Augen für zehn Sekunden schließen muss und den gesamten heilenden Prozess bereits durchgemacht hat.

Angst als Wegweiser

„In jeder Angst steckt auch eine wunderbare Botschaft”, glaubt Palacios, „wenn wir die Angst nicht mehr als Feind betrachten, sondern vielmehr als unterstützenden Freund, der uns den Weg in die Sicherheit weisen will, so erkennen wir in der Angst plötzlich keine Gefahr mehr, sondern eine Chance”, sagt Palacios abschließend, „eine Chance, das eigene Leben in die Hände zu nehmen und es dort hinzulenken, wo wir uns gerade wohlfühlen würden.” Die einen würden durch die Angst die Aufgabe, sich einmal intensiv mit dem eigenen Ich im Inneren auseinanderzusetzen, den eigenen Prägungen, negativen Erfahrungen. Andere, die bahnbrechende Theorien entwickelt und Spitzenleistungen erbracht haben, wurden von der Angst getrieben. Statt sich von der Angst lähmen zu lassen, nutzten diese Menschen sie als Energie, um sich weiterzuentwickeln.

Autorin: Doris Gerstmeyer

Leben ohne Angst
Der Buchtipp:
Gib deiner Angst keine Macht! Wie du in bewegten Zeiten zur Ruhe und zu dir selbst kommst
In bewegten Zeiten nimmt sich der Bestsellerautor und Hypnosetherapeut Gabriel Palacios des Themas Angst an. Das Buch ist die Essenz aus seinen bisherigen Publikationen, die allesamt Bestseller wurden.
Seit jeher befasst sich Gabriel Palacios mit dem Unterbewusstsein des Menschen, das oft von Angst geprägt ist. Aus der Erfahrung mit seinen Klienten heraus iniziierte der Autor den „Angstfrei-Kongress” mit renommierten Keynote-Speakern wie Dr. Ruediger Dahlke oder Gefängnispsychologe Joe Bausch. Dieses Buch ist mit seiner tiefgehenden Analyse und wegweisenden Ratschlägen und Übungen das Buch zur richtigen Zeit. Es ist ein Wegweiser zur vollkommenen Freiheit: der Freiheit von Angst.
Erschienen bei Allegria, ISBN: 9783793424307, 256 Seiten, € 18,- (D), € 18,50 (A)
Gabriel Palacios
Gabriel Palacios
Gabriel Palacios, geb. 1989 in Bern/Schweiz, befasste sich bereits seit frühester Kindheit aufgrund eines familiären Schicksalsschlages intensiv mit der Gedankenwelt. Heute verhilft der mehrfache Autor, Gedankenleser und Paartherapeut in seinem Therapiezentrum in Bern, durch öffentliche Veranstaltungen und mit seinen Büchern vielen Menschen zu mehr gedanklicher Freiheit. Bekannt wurde er einem großen Publikum durch seine Teilnahme 2009 an einem internationalen TV-Event über mentale Experimente. Gabriel Palacios berät Unternehmen, Prominente und Sportler, ist Keynote-Speaker und bildet als Präsident des Verbandes Schweizer Hypnosetherapeuten sowie als Lehrtrainer der National Guild of Hypnotists Hypnosetherapeuten aus